Interview mit Bereiter Stephan Thomas

Stephan Thomas

Stephan Thomas

Stephan Thomas auf Bonita Stephan Thomas reitet Bonita an

Stephan Thomas auf Bonita

Warum beim Einreiten das Rückwärtsrichten dazu gehört

Das schonende Einreiten junger Pferde ist entscheidend für ihre weitere Entwicklung als Reitpferd. Stephan Thomas, Pferdewirtschaftsmeister und Profi-Bereiter, gibt im Interview Tipps zum richtigen Einreiten von Jungpferden. Er betreibt in Lüdenscheid einen Pferdepensionsstall und reitet Dressur, Vielseitigkeit und Springen bis Klasse S.

Mit welchem Alter sollten Jungpferde eingeritten werden?

Optimal ist es, erst Dreijährige anzureiten, denn erst dann sind die nötige mentale und körperliche Reife vorhanden. Vor allem eine gut entwickelte Rückenmuskulatur ist entscheidend, damit das Pferd Lektionen schmerzfrei ausführen und den Reiter tragen kann. Wichtig ist zu wissen, dass viele Pferde, die als Dreijährige von der Weide in den Stall kommen, durch die Umstellung erst einmal in ein Leistungstief fallen. Das Immunsystem ist dann geschwächt. Diese Pferde sollten zuerst wieder fit sein, bevor das Anreiten beginnt.

Wie bereitet man Pferde ideal auf das Einreiten vor?

Das geht auch bei uns nach der klassischen Methode: Zuerst läuft das junge Pferd nur frei in der Halle, dann legen wir nacheinander Trense und Longiergurt an. Für das Longieren – bei ruhigen Pferden meist schon am selben Tag – empfiehlt es sich, die Halle in der Mitte zu begrenzen oder den Longierzirkel zu nutzen. Nach einigen Tagen kommen Sattel und Ausbinder für die stehende Verbindung von Maul zu Sattelgurt dazu. So lernen die Pferde gleich, im Genick nachzugeben. Beim eigentlichen Anreiten – sicherlich der aufregendste Moment – hält ein Helfer das Pferd, während der Reiter sich leicht mit dem Bauch auf den Pferderücken legt und dann nacheinander die Füße in die Steigbügel nimmt. Bleibt das Pferd ruhig, führt der Helfer das Pferd im Schritt. Am nächsten Tag wiederholt man das, oft geht dann schon Trab und Galopp.

Was ist Ihnen beim Anreiten besonders wichtig?

Vier Dinge sind wichtig: Ruhe und Geduld, Trainingseinheiten von maximal 20 Minuten, positive Bestärkung durch Lob und jedes Training mit einer erfolgreichen Übung abschließen, das erhält den Gute-Laune-Faktor fürs Pferd. Absolut tabu ist das Arbeiten mit Druck, denn wenn Pferde schon zu Beginn ihrer Karriere schlechte Erfahrungen machen, wirkt sich dies auf ihr gesamtes späteres Verhalten negativ aus.

Kann man Pferden zusätzlich zum Training noch Unterstützung geben?

Ja, artgerechte Haltung mit regelmäßigem Sozialkontakt zu Artgenossen sowie trotz Training auch Auslauf auf Weide oder Paddock – das Pferd muss auch noch Pferd sein dürfen. Und die Ernährung ist wichtig. Das Immunsystem braucht Vitamine und Spurenelemente. In Fällen, wo die tragende Rückenmuskulatur schlecht ausgeprägt ist, hilft ein Ergänzungsfuttermittel. Wir machen seit Jahren gute Erfahrungen mit Viequo Powerbol Plus (www.vetvital.de), das ist ein rein pflanzliches Muskelaufbaupräparat auf Reiskeimölbasis. Die Sauerstoff- und Energieversorgung der Muskelzellen wird so effektiv unterstützt.

Ist zuviel Energie im Futter gerade bei Jungpferden nicht kontraproduktiv?

Nein, im Gegenteil. Die Pferde sind ausgeglichener und die Leistungsbereitschaft nimmt zu, weil das Pferd besser über den Rücken kommt und losgelassen läuft. Muskelkater, für Pferde eine unangenehme Erfahrung, kommt so gut wie nicht vor. Wenn die Tiere motiviert mitarbeiten, ist das für Pferd und Reiter gut. Die Dreijährigen bekommen daher das Ergänzungsfutter in den ersten acht Wochen ihres Trainings, zwei bis drei Wochen vor dem Einreiten fangen wir damit an.

Was sollten Pferde nach dem Einreiten können?

Pferde sollten nach acht Wochen in allen drei Grundgangarten unter dem Reiter gehen. Es hat sich außerdem bewährt, bereits Fliegenden Galoppwechsel und Rückwärtsrichten abzuverlangen. Das Rückwärtsrichten geht zwar gegen die Natur des Pferdes, aber am Anfang wiegt dieser Bruch für das Pferd noch nicht so schwer. Den Fliegenden Galoppwechsel hingegen kann jedes Pferd, je eher es die Hilfe dafür lernt, desto besser.

Herr Thomas, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Heike Engels.

Hinweis: Oktober 2007. Text und Bild stehen zur kostenfreien redaktionellen Nutzung. Kürzungen und Änderungen bitte unbedingt mit der Autorin abstimmen. Beleg erbeten. Gern senden wir Ihnen Text und Bild auch per E-Mail zu. Kontakt: in puncto public, Agentur für strategische Kommunikation, Balkenweg 4a, 38442 Wolfsburg, Telefon +49-5361-888-300, E-Mail: wolf@inpunctodesign.de

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