Interview mit Olympiatierarzt Dr. Björn Nolting
Olympiatierarzt Dr. Björn Nolting hält den Einsatz von Hyaluronsäure bei Vorsorge und Behandlung von Gelenkproblemen für sinnvoll. Vorausgesetzt das Präparat wird fachgerecht ausgesucht und eingesetzt.
Hyaluronsäure – bewährte Therapie neu hinterfragt
Hyaluronsäure ist der wichtigste Bestandteil des Gelenkstoffwechsels und damit Voraussetzung für die Genesung entzündeter Gelenke und Sehnen. Daher wird Hyaluronsäure seit vielen Jahren zur Behandlung von Gelenkerkrankungen beim Pferd eingesetzt. Wie die Erfahrungen damit sind und welche Neuerungen sich in jüngster Zeit ergeben haben, erläutert Olympiatierarzt Dr. Björn Nolting, Weilerswist, im Interview:
Wie bewerten Sie den Einsatz von Hyaluronsäure bei Pferden?
Die Hyaluronsäure ist als effektives Therapeutikum sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermedizin nicht mehr wegzudenken. Je nach Art der Erkrankung wird sie direkt in das Gelenk oder aber in die Blutbahn gespritzt. Seit Neuestem gibt es Hyaluronsäure auch als flüssiges Monopräparat (www.vetvital.de), das als Nahrungsergänzung über das Futter gegeben werden kann. Diese setzen wir nicht nur bei bereits bestehenden Gelenkerkrankungen, sondern auch vorbeugend mit großem Erfolg ein.
Macht es einen Unterschied, ob Hyaluronsäure gespritzt oder über das Futter gegeben wird?
Wo die Wirkung der Hyaluronsäure genau ansetzt, ist bis heute ungeklärt. Vermutet wird, dass der Organismus die körpereigene Produktion von Hyaluronsäure von sich aus steigert, wenn er von Außen Hyaluronsäure zugeführt bekommt. Und das funktioniert sowohl beim Spritzen als auch über das Futter. Wobei wir beides gern auch kombinieren. Die flüssige Hyaluronsäure wird als Kur über mehrere Wochen ins Futter gegeben, um den Heilungserfolg nach einer Injektion optimal zu unterstützen.
Ist es denn nicht gefährlich, Hyaluronsäure in Gelenk oder Blutbahn zu spritzen?
An der Qualität und Reinheit von Hyaluronsäure ist in den vergangenen Jahrzehnten mit großem Erfolg gearbeitet worden. Ganz am Anfang wurde die Hyaluronsäure noch aus Hahnenkämmen oder Nabelschnurgewebe gewonnen, womit immer auch Fremdeiweiße enthalten waren. Heute wird Hyaluronsäure synthetisch in reiner Form hergestellt, wodurch Abwehrreaktionen sehr selten geworden sind. Ebenso unbedenklich ist die Gabe über das Futter. Hier allerdings muss ebenfalls dringend auf Qualität geachtet werden. Das von uns bevorzugte Präparat ist Viequo OrthoHyl, das nur beim Tierarzt erhältlich ist. Denn nur ein Futterzusatz, der auch wirklich hilft, ist sein Geld letztlich wert.
Glauben Sie, dass noch weitere Entwicklungen auf sich warten lassen?
Das derzeitige Niveau ist bereits sehr hoch. Aber man soll niemals nie sagen. Vielleicht können wir in 10 Jahre an dieser Stelle schon über weitere Neuerungen sprechen. So lange aber sind wir mit den derzeit zur Verfügung stehenden Produkten schon sehr gut bedient. Zumal die Alternative bzw. die Kombination aus Injektion und Nahrungsergänzung flexible Möglichkeiten bietet.
Foto: Dr. Björn Nolting, Olympiamannschaftstierarzt Springreiten und Dressur, Pferdeklinik Burg Müggenhausen, 53919 Weilerswist, im Interview über den Einsatz von Hyaluronsäure beim Pferd
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